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      Zur Geschichte des Pater Landell

         Heinz Prange, DK8GH

Der brasilianische Priester Pater Roberto Landell de Moura (21.01.1861 bis 30.07.1930) hat "nach Aussagen von Zeitzeugen2; 1893 bis 1894 in São Paulo das gesprochene Wort, Musik und das Ticken einer Uhr über eine Entfernung von acht Kilometern gesendet und empfangen. Diese Feststellung ist in mehreren Beiträgen zu dem funktechnischen Wirken des brasilianischen Paters nachzulesen ([1] bis [6]).
Im Jahre 1900 berichtete das "Journal de Manha" von einem Brief des Pater Landell an den britischen Konsul Mr. Lupton. In diesem Brief ist von fünf Erfindungen die Rede. Pater Landell hat (offensichtlich ohne Erfolg) versucht, seine Erfindungen England anzubieten. Nach langen beschwerlichen Bemühungen konnte er am 09.03.1901 sein Patent in Brasilien einreichen. Er lebte danach drei Jahre in den USA.
Am 04.10.1901 reichte er seine Erfindung am Patent Office in Washinton ein und erreichte sein erstes amerikanisches Patent unter der Protokoll-Nr. 77.576. Am 16.01.1902 wurde das zweite Patent eingereicht, am 13.02.1903 das dritte. In den Beiträgen zu diesen Vorgängen wird betont, daß es seinerzeit nicht ausreichte, die für die Patentschriften erforderlichen Zeichnungen einzureichen; es mußten auch die aufgebauten Geräte mit beigefügt werden!
Die zeitgenössischen Berichte deuteten an, der brasilianische Erfinder Pater Landell zähle zu den unbekanntesten Wissenschaftlern in "Sachen Funk". Darum bemühen sich Brasilianische Funkamateure seit einigen Jahren sehr engagiert und intensiv, Namen und Werk des Paters bekannt zu machen. Sie sagen: "Wir wollen wirklich keinem Wissenschaftler, der in dieser Richtung gearbeitet hat, den Ruhm schmälern."

Bild 1:
Das Bild zeigt das nachgebaute Gerät Pater Landells, das in Blumenau (Brasilien) im Jahr 1985 zur “BLURADIO” vorgeführt wurde.                                                         Foto: PP5ASN.

 



 

 
Amerikanische Patenturkunde Schaltplan Wireless Telegraph

Bild 2: Links eine der amerikanischen Patenturkunden, rechts Schaltplan “Wireless Telegraph”.

 
Zeichnung Wireless Telegraph Schaltplan Wave Transmitter

Bild 3: Links Zeichnung “Wireless Telegraph”, rechts Schaltplan “Wave Transmitter”.
 

 


 

 
Wir wollen lediglich, der Liste der Namen einen anfügen, den die Zeit und die Geschichte vergessen hat. Zeitumstände und natürlich der absolute Gehorsam gegenüber der Kirche haben Pater Landell Grenzen gesetzt. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, ihn an den Platz zu stellen, an den er gehört.”
Die brasilianischen Funkamateure, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben, sind Mitglieder des “Ordem de Radioamadores Padre Roberto Landell de Moura”. Sie geben u. a. ein Diplom für SWL und Funkamateure heraus, das von Murillo Sousa Reis, PY2AJN, entworfen und gezeichnet wurde. In OE wird dieses Diplom von OM Ingo König, OE2IKN, betreut; für DL und andere ist OM Heinz Marhoff, DK8DY, in Dortmund zuständig. Beide OM versenden auf Anfrage und SASE Diplom-Auschreibung und Mitgliederliste.
Die Bemühungen der brasilianischen Funkamateure führten dazu, daß das Forschungszentrum des brasilianischen Kommunikationswesens in Campinas/São Paulo den Namen “Centro de Estudos Padre Landell de Moura” trägt. Die Ingenieure dort hatten nicht nur das erste Funkgerät des Paters nachgebaut, sondern auch seine Tabellen und Berrechnungen sowie Zeichnungen über das Fernsehen (von 1904!) nachgearbeitet und festgestellt, daß alles funktioniert haben müsse.                  
Das im Bild 1 gezeigte Sprechfunkgerät befindet sich in Porto Alegre, in der “Fundação Educacional Padre Landell de Moura (kurz: FEPLAM)”. Eine Bronze-büste des Paters steht zwischen den Säulen am Museum für moderne Kunst in der Stadt São Paulo. Es ist praktisch an dem Ort, an dem Pater Landell von der Avenida Paulista nach dem Stadtteil Santana seine ersten Sprechfunkübertragungen gemacht hat. Die Bronzebüste ist eine Stiftung von portugiesischen Funkamateuren. Unter der Leitung von Arnaldo Nascimento, CT4QI, brachten sie die Büste von Porto, Portugal, nach São Paulo. Dort wurde die Büste am 20.09.1983 enthült und dem Publikum vorgestellt.
Im Zusammenhang mit Marconis Versuchen und den teilweise nicht ganz eindeutig bewiesenen Zeitangaben zu seiner ersten Übertragung von Daten per Funk hat es viele Diskussionen und Recherchen gegeben. Und es wird sie sicher auch noch in Zukunft geben. An dieser Diskussion möchte ich mich keinewegs beteiligen. Mir ging es mit diesen Zeilen darum, den Lesern der AFM-Nachrichten Hinweise zu vermitteln, die ihm (in Grenzen) die Möglichkeit bieten, sich bei Interesse mit diesem Thema weiter zu beschäftigen. Selbstverständlich geht es mir auch darum, das Bemühen der brasilianischen Funkamateure und ihrer Freunde in aller Welt, insbesondere der in Deutschland und Österreich aufzuzeigen. Und selbst das ist nur dadurch möglich geworden, daß ich von PP5ASN aus Brasilien, OE2IKN sowie DK8DY bereitwillig große Unterstützung in Form von Antworten auf meine Fragen bekam und reichlich Texte, Bildmaterial und Kopien erhielt. An dieser Stelle möchte ich dafür herzlich danken.

Literatur
[1] Ernani Fornari: Der gläubige Pater Landell de Moura. Editora Globe 1960.
[2] Fernando Canduro: Der Mann am Knopf der Kommunikation. Editora FEPLAM,
     2. Ausgabe 1977, Porto Alegre.
[3] Arnaldo Nascimento und Murill Sousa Reis: Beitrag zur Tilgung einer Schuld.
    Herausgegeben in Portugal 1952.
[4] B. Hamilton Almeida: Die andere Seite der Kommunikation
     (Die Sage des Pater Landell), Editora Sulina, Porto Alegre 1985.
[5] Pater Roberto Landell de Moura – Schutzpatron der brasilianischen Funkamateure.
     Nach einem Vortrag von Alda S. Niemeyer, PP5ASN, 1985. cq-DL 7/88, S. 430 bis 434
[6] Ingo König, OE2IKN: qsp (Organ des ÖVSV)


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